Beim Fassadennetz ist nicht der Druck die schwierige Aufgabe, sondern die Fläche. Zehn mal fünf Meter Werbefläche an einem Gerüst sehen im Entwurf harmlos aus. Im Sturm wirken darauf Kräfte im Bereich von Tonnen, und die landen nicht im Netz, sondern in den Befestigungspunkten und im Gerüst dahinter.

Das sollten Sie wissen

  • Das Fassadennetz ist ein Werbemittel, kein Sicherheitsnetz. Wo ein Schutznetz gefordert ist, ersetzt der bedruckte Werbedruck es nicht.
  • Mesh senkt die Windlast, beseitigt sie nicht. Die verbindliche Berechnung macht der Gerüstbauer oder Statiker, nicht die Druckerei.
  • Ösen gehören alle 30 bis 50 cm rundum, gleichmäßig verteilt. Wenige Befestigungspunkte konzentrieren die Kraft statt sie zu verteilen.
  • Für Außenflächen genügen 50 bis 100 dpi, weil die Betrachtungsdistanz mit der Fläche wächst.
  • Wichtige Gestaltungselemente bleiben mindestens 5 cm vom Rand entfernt, sonst verschwinden sie unter Ösen und Schweißnaht.

Fassadennetz, Mesh-Banner und Schutznetz sind nicht dasselbe

Ein Fassadennetz, auch Building Mesh oder Netzvinyl genannt, ist eine großflächige, perforierte Bahn, die an Gerüsten oder Brandwänden als Werbe- oder Informationsfläche dient. Sie lässt Licht und Luft durch und bleibt für die Arbeiter dahinter teilweise durchsichtig. Ein Mesh-Banner ist dasselbe Gewebe in kleinerem Format, ein Gerüstschutznetz dagegen ein Bauteil mit Sicherheitsfunktion.

Die Unterscheidung ist mehr als Wortklauberei. Wo an einer Baustelle ein Schutznetz gefordert ist, erfüllt ein bedrucktes Werbenetz diese Funktion nicht automatisch. In der Praxis werden beide kombiniert: Das Schutznetz bleibt, was es ist, und die Werbefläche kommt zusätzlich. Welche Ausführung an Ihrer Baustelle zulässig und gefordert ist, klären Sie mit dem Gerüstbauer und dem Bauherrn, bevor die Druckdaten entstehen.

Größen und Materialgewicht

Laut Produktspezifikation werden Fassadennetze häufig in Breiten von 500 bis 1000 cm produziert und reichen über mehrere Stockwerke. Das Materialgewicht liegt dabei bei 270 bis 380 g/m², deutlich unter der geschlossenen PVC-Plane mit 440 bis 610 g/m². Größere Flächen entstehen aus mehreren Bahnen, die verschweißt oder überlappend montiert werden.

Welche Mesh-Materialien gibt es und worin unterscheiden sie sich?

Die Unterschiede liegen im Flächengewicht und in der Offenheit der Struktur. Leichteres Gewebe mit offenerer Perforation lässt mehr Wind durch und eignet sich für exponierte Lagen, gibt aber weniger Deckkraft im Druckbild. Schwereres Gewebe deckt besser und wirkt farbkräftiger, bietet dem Wind aber mehr Angriffsfläche. Welche Variante passt, entscheidet der Standort, nicht das Motiv.

Die grundsätzliche Materialfrage zwischen PVC, Mesh, Stoff und BlockOut haben wir im Beitrag Welches Material für Werbebanner ausführlich behandelt. An der Fassade ist die Antwort in der Regel schon gefallen: Über mehrere Stockwerke kommt Mesh zum Einsatz, weil eine geschlossene Plane in dieser Größe für das Gerüst zu viel Last erzeugt.

Wie stark der Wind tatsächlich drückt

Die verbreitete Annahme, Mesh erzeuge keine nennenswerte Windlast, ist zu optimistisch. Die Perforation reduziert den Druck um den Anteil der offenen Fläche, doch der Rest wirkt weiterhin auf die gesamte Bahn. Bei Flächen jenseits von 50 Quadratmetern kommen dabei Kräfte zusammen, die jede Befestigungsplanung bestimmen.

Wie berechnet man die Windlast für ein Fassadennetz?

Der Ausgangswert ist der Staudruck, der mit dem Quadrat der Windgeschwindigkeit wächst. Er berechnet sich als halbe Luftdichte mal Geschwindigkeit im Quadrat und liegt bei 110 km/h in der Größenordnung von 60 kg pro Quadratmeter. Die auf das Netz wirkende Kraft ergibt sich daraus mal Fläche, reduziert um den Anteil der Perforation und angepasst um Form- und Umgebungsbeiwerte.

Staudruck nach Windgeschwindigkeit und resultierende Kraft auf 50 m² geschlossene Fläche
Windgeschwindigkeit Staudruck Kraft auf 50 m² Einordnung
60 km/h rund 18 kg/m² rund 900 kg starker Wind, häufig
80 km/h rund 31 kg/m² rund 1.550 kg Sturmböe
100 km/h rund 49 kg/m² rund 2.450 kg Sturm
120 km/h rund 71 kg/m² rund 3.550 kg schwerer Sturm

Berechnet als Staudruck q = 0,5 mal Luftdichte mal Geschwindigkeit im Quadrat, mit einer Luftdichte von 1,25 kg/m³, für eine geschlossene Fläche ohne Form- und Umgebungsbeiwerte. Die Werte zeigen die Größenordnung, nicht die Bemessungslast. Die verbindliche Berechnung für Gerüst und Verankerung erstellt der Gerüstbauer oder ein Statiker.

Die Tabelle macht zwei Dinge deutlich. Erstens wächst die Belastung nicht linear, sondern quadratisch: Von 60 auf 120 km/h vervierfacht sich der Druck. Zweitens bleibt auch nach Abzug des offenen Flächenanteils eine Last im Bereich mehrerer Hundert Kilogramm. Deshalb ist die Frage nach der Befestigung keine Detailfrage am Ende des Projekts, sondern eine Planungsfrage am Anfang.

Befestigung: Last verteilen statt bündeln

Die Regel bei großen Flächen lautet: Die Last verteilen, nicht bündeln. Ösen aus Metall oder Kunststoff sitzen alle 30 bis 50 cm am Rand, gleichmäßig über den gesamten Umfang. Wer zur Zeitersparnis nur jede zweite Öse nutzt, verdoppelt die Kraft an den verbleibenden Punkten und reißt genau dort das Gewebe aus.

Welche Konfektion eignet sich für die Montage am Gerüst?

Für die Montage stehen mehrere Ausführungen zur Verfügung: geschweißte oder gesäumte Ränder, Ösen rundum, Taschen für Stangen sowie Klettverschluss und Aufhänger mit Ösen. Am Gerüst hat sich der umlaufend verstärkte Saum mit dichter Ösenteilung bewährt, weil er die Kraft in den Saum leitet statt in die Fläche.

Bei den Verbindungsmitteln lohnt ein bewusster Gedanke. Flexible Spanngummis federn Böenspitzen ab, während starre Verbindungen die Spitze voll weitergeben. Kabelbinder werden bei Gerüstwerbung auch gezielt als Sollbruchstelle eingesetzt: Reißt im Extremfall die Verbindung, gibt das Netz nach, statt das Gerüst zu belasten. Ob das an Ihrer Baustelle sinnvoll und zulässig ist, entscheidet der Gerüstbauer.

Druckdaten für Großformat

Bei Fassadenformaten sinkt die nötige Auflösung, weil die Betrachtungsdistanz mitwächst. Die Produktspezifikation nennt für Außenflächen 50 bis 100 dpi, im Innenbereich mit näherer Betrachtung 100 bis 150 dpi. Die Datei kommt im Maßstab 1:1, im CMYK-Farbmodus, als PDF, TIFF oder JPG, Texte idealerweise in Pfade konvertiert.

In Zahlen

  • 270 bis 380 g/m² wiegt das Mesh-Fassadennetz, die geschlossene PVC-Plane dagegen 440 bis 610 g/m².
  • 30 bis 50 cm Ösenabstand rundum ist die übliche Teilung für die Montage.
  • 5 cm Sicherheitsabstand zum Rand gilt für alle wichtigen Gestaltungselemente, damit Ösen und Schweißnähte sie nicht verdecken.

Quelle: Produktspezifikation Druckerei-Register, Banner und Fassadennetz, 2026.

Der Sicherheitsabstand von 5 cm ist bei Fassadenformaten wichtiger als bei kleinen Bannern. Ein Logo, das am Rand sitzt, verschwindet später zur Hälfte unter dem Saum, und bei einer zehn Meter breiten Bahn fällt das aus der Entfernung sofort auf. Planen Sie die Ränder deshalb bewusst leer und legen Sie die Bildaussage in die Mitte der Fläche.

Was vor dem Auftrag geklärt sein sollte

Drei Punkte gehören vor die Produktion. Erstens die Maße: Sie kommen vom Gerüstbauer, gemessen am stehenden Gerüst, nicht aus dem Bauplan. Zweitens die Befestigungsart samt Ösenteilung, weil sie den Saum und damit die Konfektion bestimmt. Drittens die Frage, ob am Standort besondere Auflagen zu Brandverhalten oder Werbeflächen gelten, was Sie mit Bauherr und Behörde klären.

In Österreich werden solche Flächen vor allem bei Sanierungen in Wien, Graz und Linz eingesetzt, wo ein Gerüst ohnehin monatelang steht. Die Werbefläche kostet in diesem Fall keine zusätzliche Genehmigung für einen Standort, sondern nutzt eine bereits vorhandene Konstruktion, was sie gegenüber einer eigens errichteten Werbefläche wirtschaftlich macht.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange hält ein bedrucktes Fassadennetz im Freien?

Der Druck erfolgt im CMYK-Farbmodus mit UV- oder Lösemittel-Tinten, die gegen Sonnenlicht und Regen beständig sind. Damit sind Standzeiten über eine übliche Sanierungsdauer hinweg der Regelfall. Die Grenze setzt in der Praxis eher die mechanische Belastung durch Wind als das Verblassen der Farben.

Kann ein Fassadennetz aus mehreren Bahnen bestehen?

Ja, und bei Fassadenformaten ist das der Normalfall. Die Bahnen werden verschweißt oder überlappend montiert. Wichtig ist, die Stoßkanten schon im Entwurf zu berücksichtigen, damit keine Schrift oder Gesichtspartie genau auf einer Naht liegt.

Wer haftet, wenn sich das Netz bei Sturm löst?

Die Verantwortung für Statik, Verankerung und Montage liegt beim Gerüstbauer beziehungsweise beim ausführenden Unternehmen, nicht bei der Druckerei. Unsere Aufgabe endet bei Material, Konfektion und Druck nach den vereinbarten Vorgaben. Deshalb ist die frühe Abstimmung mit dem Gerüstbauer über Ösenteilung und Saum so wichtig.

Die Fläche plant man von der Befestigung her

Beim Fassadennetz kommt die Reihenfolge oft verkehrt herum: erst das Motiv, dann die Größe, zuletzt die Montage. Sinnvoll ist der umgekehrte Weg. Erst steht das Gerüst mit seinen Maßen und Befestigungsmöglichkeiten fest, daraus ergeben sich Bahnenteilung, Saum und Ösenteilung, und erst dann bekommt das Motiv seine endgültige Fläche mit freien Rändern.

Wenn Sie eine Fassaden- oder Gerüstwerbung planen, brauchen wir die am Gerüst gemessenen Maße, die gewünschte Befestigungsart und die geplante Standzeit. Daraus ergeben sich Material, Konfektion und Bahnenteilung. Nehmen Sie Kontakt auf, dann sehen wir uns die Fläche und die Druckdaten gemeinsam an. Die Produktdetails finden Sie unter Banner und Fassadennetz.

Zusammenfassung

Ein Fassadennetz ist ein bedrucktes, winddurchlässiges Netzgewebe für Gerüste und Brandwände, üblich in Breiten von 500 bis 1000 cm und mit 270 bis 380 g/m². Es ist ein Werbemittel und ersetzt kein Sicherheitsnetz.

Die Perforation senkt die Windlast, hebt sie nicht auf: Bei 110 km/h liegt der Staudruck in der Größenordnung von 60 kg/m², die Bemessung macht der Gerüstbauer. Befestigt wird rundum mit Ösen alle 30 bis 50 cm, flexible Verbindungen federn Böen ab. Druckdaten kommen mit 50 bis 100 dpi für außen, im Maßstab 1:1 in CMYK, wichtige Elemente mindestens 5 cm vom Rand entfernt.